Resümee Truck Tour
31 10 2010Nach 71 Tagen ist unsere Trucktour nun zu Ende gegangen. 71 Tage, die wie im Flug vergangen sind und uns aufgrund der zahlreichen Highlights absolut positiv in Erinnerung bleiben werden. Das Highlight schlechthin waren sicher die Berggorillas, gefolgt von den Vic Falls (Devil’s Pool, Microlight Flug und Lionwalk), den oft wirklich sensationellen Gamedrives und nicht zuletzt den Sanddünen (Sandboardn und Quadbiken) in Namiba.
Es war bestimmt auch die richtige Idee, in diesem Teil der Welt eine Overland Trucktour zu machen, eine selbstorganisierte Reise hätte aufgrund der mangelnden Infrastruktur und der zahlreichen Sicherheitsthemen viel mehr Planung und Vorbereitung benötigt und sicher auch viel mehr Nerven gekostet. Außerdem hätten wir rund 9000 KM selber fahren müssen, hätten nicht so viele coole Leute von all around the world wirklich gut kennengelernt (insgesamt haben inkl. uns nur 5 Leute die volle Tour von Nairobi rund um den Viktoriasee nach Kapstadt gemacht, alle anderen haben entweder später angefangen oder früher aufgehört), von denen wir einige im weiteren Verlauf unserer Reise hoffentlich irgendwo wieder einmal treffen werden und es wäre am Ende des Tages wohl auch nicht billiger gewesen.
Wir haben uns letztendlich um nichts kümmern müssen, außer zu entscheiden, welche optionalen Touren wir machen wollten, sodass alle diese Vorteile die Nachteile bei weitem übertreffen. Nachteilig war sicher die mangelnde Flexiblität im Tourplan (z.B. ein paar Tage mehr auf Sansibar und stattdessen weniger Zeit am Lake Malawi und am Hausboot am Lake Kariba wären im Nachhinein besser gewesen) und in einer großen Gruppe muss man sich hin und wieder halt auch unterordnen, z.B. beim Kochen, beim Zeitplan, etc… Es war sicher auch angenehmer wenn weniger Leute am Truck waren (die Gruppengröße variierte zwischen 12 und 28 Personen), denn einerseits war natürlich viel mehr Platz (2 Sitzplätze für jeden, mehr Stauraum im Truck, etc.) und andererseits musste viel weniger Zeit für Kochen und Abwaschen aufgewendet werden. Das Kochen an sich war meistens aber sehr lustig und wir haben eigentlich immer gut bis sehr gut (Springbock und Hippo sind echte Delikatessen!!!) und sehr abwechslungsreich gegessen. Und nicht nur das, wir haben jedenfalls auch zu viel gegessen, denn abgesehen von den täglichen gemeinsamen Frühstücken und Abendessen, die meist recht spät und kurz vorm Schlafengehen stattgefunden haben, hat halt auch dazwischen immer irgendwer irgendwas gegessen und man war ständig verleitet sich auch was einzuwerfen….
Ans Campen haben wir uns auch schnell gewöhnt, bestimmt war es angenehmer, wenn man nicht jeden Tag das Zelt auf- und abbauen musste und wenn es eine warme Dusche gab, aber man lernt recht schnell seine Ansprüche zurückzuschrauben und es war vom Verlauf der Tour her ja auch so, dass sich der Standard tendenziell immer verbessert hat und wir zuletzt auch öfters länger an einem Ort geblieben sind. Haben wir am Anfang noch jede Möglichkeit zum upgrade in ein Bett genutzt, war uns das später dann nicht mehr so wichtig bzw. oft auch das Geld einfach nicht mehr wert.
In Summe können wir eine uneingeschränkte Empfehlung für eine Tour mit Absolute Africa aussprechen, denn die meisten der zahlreichen anderen Tourveranstalter machen mehr oder weniger dieselbe Route zu einem höheren Preis aber in knapp 2 Wochen weniger, was aus unserer Sicht zu stressig ist, weil man hin und wieder einfach eine Pause braucht und gerne länger an einem Ort bleibt. Das Wichtigste und was man im Vorhinein aber auch nicht planen kann, ist die Zusammensetzung der Tourgruppe und der jeweilige Tourguide. Mit der Gruppe hatten wir wirklich großes Glück, denn die wenigen „Ungustl“ waren nicht sehr lange dabei. Bei unseren Tourguides gab es einen großen Unterschied zwischen dem ersten,Tito,und dem zweiten, Gracey. Tito war Kenianer und sah seinen Job v.a. darin, uns von A nach B zu bringen. Er war nicht sehr vorausschauend was die Planung betraf, gab von sich aus wenig Informationen und war äußerst vorsichtig was Kontakt zur lokalen Bevölkerung betraf mit ständigen Hinweisen, dass weder er noch Absolute Africa für das Risiko verantwortlich sind… Gracey war Australier und hat viel besser verstanden, was die Touristen wollten und hat dadurch vieles einfach von Haus aus besser gemacht. Außerdem war er im Gegensatz zu Tito bei fast allen Aktivitäten selbst dabei, weil er seinen Job so interpretierte, dass er für etwas, was er sowieso gerne tut, auch noch bezahlt wird.
Der Kontakt zur lokalen Bevölkerung war in Summe weniger als erwartet, denn die Sehenswürdigkeiten sind oft irgendwo in der Botanik und die Campingplätze oft regelrecht abgeschottet. Durch Besuche in Dörfern, Waisenhäusern, etc. und langen Überlandfahrten haben wir aber trotzdem einen ganz guten Eindruck von den Lebensumständen bekommen. Große Armut ist in großen Teilen (in Südafrika haben wir bisher nur reichere Gegenden gesehen, Namibia und Botswana war Großteils auch recht entwickelt) wirklich weit verbreitet, die Unterschiede zwischen Stadt und Land sind aber enorm, da die fehlende Infrastruktur am Land das Leben einfach enorm schwierig macht. Zwischen Strohhütten ohne Strom und Wasserpumpstationen mit vielen Frauen und Kindern mit gelben Plastikkanistern am Land und absolut westlichen Shoppingcentern in den Städten liegen oft nur wenige Kilometer. Westliche Preise mit afrikanischem Standard und Service sind leider auch weit verbreitet.
Die Tour ist auch ohne größere Collateralschäden zu Ende gegangen, uns ist nichts passiert und nichts gestohlen worden. Nur unsere beiden Schlafmatten (die wir eigentlich gar nicht gebraucht hätten) haben sich verabschiedet. Eine hat es überhaupt nicht nach Afrika geschafft, die zweite hat in Tansania nicht mehr wollen. Außerdem haben wir einen Ring beim Raften im Nil dem Nilgott geopfert, zwei Sonnenbrillen waren mit nur einem Bügel nicht mehr wirklich zu gebrauchen und den Display Bruch am Handy hat ein geschickter Pakistani in Südafrika auch gleich wieder repariert. Gepackt haben wir auch sehr gut, wir haben nämlich noch nichts gebraucht, was wir nicht mithatten oder kaufen konnten und fast alles benutzt was wir mithaben. Der wie eine Reisetasche zu öffnende Reuter Traveller Rucksack ist auch perfekt, da man nicht immer alles ausräumen muss, wenn man etwas sucht.
Lange Rede kurzer Sinn: dieser Teil Afrikas ist unbedingt eine Reise Wert und wir würden die Tour sofort wieder machen.