Mosambik

31 10 2010

Nach dem Krüger ging es über die Grenze nach Mosambik. Aufgrund der langen Grenzformalitäten und schlechter als erwarteter Straßen haben wir es bei Tageslicht nicht zu unserem eigentlichen Ziel nach Tofo geschafft und haben daher unterwegs eine Unterkunft suchen müssen, was sich als nicht so einfach herausgestellt hat. Ein einheimischer, kaum des Englischen mächtiger Typ, den wir auf der Straße aufgegabelt haben, hat uns letztendlich aber bei Dunkelheit auf einer für Allrad ausgelegten Sandpiste zu einem von einem 70jährigen, pensionierten südafrikanischen Paar neu gegründeten Resort begleitet, das in the middle of nowhere an einem See gelegen ist und aufgrund fehlender Lizenz eigentlich noch gar niemanden hätte beherbergen dürfen. Unserem Begleiter war die nächtliche Fahrt durch Palmenwälder aufgrund der Zentralverriegelung, die sich beim Fahren automatisch einschaltet, mindestens so unheimlich wie uns. Letztendlich war das ganze aber ein Glücksfall, denn die beiden Südafrikaner waren unglaublich nett und haben uns sehr interessante Einblicke in die unterschiedlichen Lebensumstände in Mosambik und Südafrika gewährt.

So sei der Hauptgrund für die Übersiedlung nach Mosambik die gefährliche und unüberschaubare Sicherheitslage in Südafrika gewesen, die sie mit grausigen Mordgeschichten unterlegt haben, wo Menschen wegen Handys und sogar weniger gefoltert und umgebracht wurden. Sie hätten sich nicht mehr getraut, in ihrem Haus in der Nähe von Nelspruit (eigentlich würde man vermuten, dass das eine vermeintlich sichere Gegend, d.h. Keine riesige Stadt und weit weg von Johannesburg) ohne Pistole in ihrem Garten beim Grillen zu sitzen, weil in der Nachbarschaft immer wieder etwas passiert sei. Mosambik dagegen sei sehr sicher und sie haben keine bedenken sich unter ausschließlich Schwarzen zu bewegen, wobei sie auch zuvor schon betont haben, dass die Gewalt in Südafrika, die v.a. von Immigranten ausgehe, nicht nur gegen Weiße gerichtet sei, sondern gegen jeden, der etwas besitzt (und sei es nur ein Handy), unabhängig von der Hautfarbe. Diese Geschichten scheinen für einen Touristen, der zum Glück bisher damit nicht direkt konfrontiert wurde und auch nicht täglich Horrorgeschichten in den Nachrichten hört, auf den ersten Blick überzogen und mit etwas Paranoia versetzt, wenn man diese Geschichten aber immer wieder bestätigt bekommt, ergibt das schon ein etwas mulmiges Gefühl….

Aber wie auch immer – wir waren danach 5 Tage in Tofo und haben uns den Traum eines jeden Tauchers erfüllen können: tauchen und schnorcheln mit Walhaien und Mantas! Der Walhai war anscheinend noch recht jung und „nur“ rd. 6m lang, aber dafür sehr neugierig und sehr beeindruckend, die Mantas haben einen Meter über uns ihre Kreise gezogen und sind vor Neugier auch immer wieder zurückgekommen. Die an der Küste vorbeiziehenden Buckelwale waren da nur noch Draufgabe. Tofo ist seit Jahren als „der“ Ort für Walhaie und Mantas bekannt, die Infrastruktur mit ein paar rudimentären und v.a. Bachpacker-Unterkünften und einem kleinen Markt ist aber noch immer mehr als bescheiden, der nächste funktionierende Bankomat ist z.B. 30 km entfernt in Inhambane und Strom gab es zwischendurch auch immer wieder einmal nicht. Im Nachbarort Barra gibt es noch weniger, dafür sind die Strände und Dünen in beiden Orten unberührt, fast menschenleer und einmalig schön.

Nach Tofo gings weiter nach Norden nach Vilanculos, zum Ausgangsort zu den Bazaruto Inseln (Nationalpark). Die Inseln waren einfach unglaublich und die Strände kommen für Christian gleich nach dem Whitehaven Beach in Australien aber noch vor den karibischen Stränden an Nummer 2 der (bisher) besuchten schönsten Strände der Welt. Auch das Tauchen am 2 Mile Reef war ein Traum, zwar keine Großfische wie in Tofo dafür aber die beste Unterwassersicht, die man sich vorstellen kann, wunderschöne und extrem gut erhaltene Korallen, Schildkröten, Devil’s Rays (quasi kleine Mantas), Delphine, etc….

Am Rückweg nach Südafrika waren wir dann noch 2 Tage in Zavora, etwas südlich von Tofo, wo es noch weniger Infrastruktur (eigentlich nur eine vernünftige Unterkunft mit Restaurant und Tauchschule) dafür aber noch mehr Mantas gab!

Infrastruktur in Mosambik ist außerhalb der größeren Städte (die Hauptstadt Maputo ist teilweise sehr modern, großteils aber eher schäbig) so gut wie nicht vorhanden, abgesehen von der Hauptverbindung von Norden nach Süden gibt es fast nur Sandstraßen, wo unser Polo teilweise sehr gelitten hat und auch ein paarmal steckengeblieben ist. Die Menschen am Land haben sehr sehr wenig, sind aber freundlich, in größeren Ortschaften wie Vilanculos sind sie dafür sehr aufdringlich, wenn sie Touristen sehen. Die Preise am Land außerhalb von Touristenlokalen sind unglaublich niedrig. Für 2 EUR haben wir über 2 Kilo frisch geerntete Austern bekommen, für einen EUR mehr hat sie der Küchenchef in der Unterkunft dann auch noch zubereitet: so lässt es sich aushalten!

Mosambik ist zusammenfassend eigentlich nur für Taucher interessant, denn trotz der schönen Strände mit Dünen und unglaublich vielen Palmen ist die mangelnde Infrastruktur und Verfügbarkeit von vermeintlich alltäglichen Dingen (in Vilanculos, wo es sogar einen internationalen Flughafen gibt, war es nicht möglich Duschgel oder Sonnencreme zu bekommen) ansonsten einfach zu nervig. Für Taucher gibt’s aber kaum etwas Besseres.



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