Die letzten 9 Tage haben wir in Namibia verbracht. Zuerst waren wir in einem Wüstencamp bei den San Buschmännern. Das ist jener vom aussterben bedrohte Stamm (die Regierung hat ihnen verboten, Wild zu jagen, und ihnen somit mehr oder weniger die ganze Lebensgrundlage entzogen), der Klicklaute mit unterschiedlicher Bedeutung in seine Sprache eingebaut hat. Bekannt sind die San z.B. aus dem Kinofilm „Die Götter müssen verrückt sein“, wobei unser Guide mindestens so lustig war, wie der Film (ein Onkel von ihm hat angeblich auch im Film mitgespielt aber die sind wahrscheinlich alle irgendwie miteinander verwandt), v.a. als er uns Pflanzen gegen Magenprobleme und Potenzschwäche zeigte und mit vollem Körpereinsatz deren Wirkung vorspielte.
Ein anderer in Namibia heimischer Volksstamm sind die Himba, die sich mit roter Erde vor der Sonne schützen und angeblich nur „duschen“, wenn es regnet (was in der Namibischen Wüstenlandschaft sehr selten vorkommt) und sich ansonsten nur mit Rauch und jedenfalls nicht mit Wasser säubern. Schon ein überraschender Anblick, wenn man plötzlich einer Himba Lady, leicht bekleidet, oben ohne (sie nicht wir), im Supermarkt gegenübersteht!
Danach ging es zu den letzten Game Drives in den Etosha NP und die Etosha Pfanne, wo wir rund um die Wasserlöcher wieder zahlreiche Tiere sahen. Höhepunkte waren eine 13 köpfige Löwengruppe beim Trinken, ein Elefant, der mit einem einzigen lauten Geräusch ein von hundert anderen Tieren bevölkertes Wasserloch plötzlich für sich allein hatte, eine Elefantengruppe, die ihre Jungen beschützt und 2 Löwen verjagt hat, beim Trinken kniende oder gespreizt stehende Giraffen sowie einige Schwarze Nashörner, wodurch wir die Big 5 nun auch zu 100% erfüllt haben, denn wie wir lernen durften, gehört gemäß Definition nur das Schwarze und nicht das Weiße Nashorn zu den Big 5.
Etosha war aufgrund der Trockenheit und der Möglichkeit, viele Tiere an den Wasserlöchern zu beobachten (beide Campsites hatten bei Nacht beleuchtete Wasserlöcher, an denen u.a. Schwarze Nashörner und Giraffen zu sehen waren) einer der besten Nationalparks, wobei es äußerst schwierig ist, eine Wertung zu erstellen, denn immerhin haben wir mit Masai Mara, Lake Nakuru, Serengeti, Ngorongoro Krater, South Luangwa, Chobe, Okovango Delta und Etosha einige der wahrscheinlich weltweit besten Parks zur Tierbeobachtung besucht und beispielsweise 58 Löwen gesehen.
Kulinarisch haben wir uns auch weitergebildet, mittlerweile können wir nämlich auch schon Kudu, Springbock und Oryx voneinander unterscheiden!
Namibia hebt sich deutlich von den anderen bisher bereisten Ländern ab, denn aufgrund der ehemaligen deutschen Kolonialherrschaft, ist das Land v.a. in den Städten äußerst deutsch geprägt. Swakopmund zum Beispiel könnte vom Stadtbild her zu 100% eine Stadt an der Nordsee sein, alles ist deutsch beschriftet, die Supermärkte führen von Pfifferlingen aus der Lüneburger Heide, über Fleckenteufel bis zur Weißwurst einfach alles was irgendwie deutsch ist. Die Speisekarten in den Restaurants schauen auch entsprechend aus, Gulaschsuppe, Schnitzel, Cordon Bleu, Schweinsbraten und ein „Eisbein“ (wie gesagt, es ist hier deutsch nicht österreichisch), das der Stelze vom Schweitzerhaus aber absolut Konkurrenz machen könnte, haben wir und unsere Truck Kollegen selbst probiert. Die Restaurants heißen z.B. Altes Brauhaus, Erich’s Grillspezialitäten, etc. Glühwein haben wir ebenso getrunken wie Williams und Kirschwasser…..eigentlich pervers, aber nach rund zweieinhalb Monaten weg von daheim doch eine erfreuliche Abwechslung.
Rund um Swakopmund waren wir dann auch noch Sandboarden (ein Truckkollege hat sich beim Springen die Hand gebrochene) und sind die Dünen mit Quadbikes befahren, beides ein riesen Spaß, aber Skifahren werden wir heuer trotzdem vermissen! Weiter südlich waren wir dann auch noch bei den weltweit größten Sanddünen von Soussoveli und haben die Düne 45 bestiegen. Kurz vor dem Grenzübertritt nach Südafrika haben wir noch den Fish River Canyon besucht, angeblich der drittgrößte Canyon der Welt und wirklich schön aber nachdem wir letztes Jahr beim Grand Canyon waren sind alle anderen Canyons halt irgendwie nur Canyons für Arme…
Namibia hat uns in Summe bisher eindeutig am besten gefallen: es ist riesengroß, hat aber weniger als 2 Millionen Einwohner, d.h. es ist Natur pur, zwar sehr trocken aber landschaftlich unglaublich schön und last but not least die Toiletten und Campingplätze sind auf westlichem Niveau. Der einzige Schönheitsfehler ist die Temperatur des Atlantiks, zu kalt um darin zu baden, ansonsten wäre es fast ein Platz zum bleiben.