Die ersten Reiseeindrücke
8 08 2010Nach einer sehr unterhaltsamen aber typisch afrikanischen Zugfahrt (7 Stunden Verspätung!) sind wir in Nairobi angekommen. Unterwegs gab es erste Einblicke in das ländliche Leben der Kenianer und die ersten freilebenden Giraffen, Zebras, Strauße, Antilopen und Co zu sehen.
Nairobi unterscheidet sich doch sehr von dem was wir in Mombasa gesehen haben, es wirkt viel moderner und westlicher, überall wird gebaut und gewerkt und viele wirken sehr gestresst, dafür sind aber auch die Gegensätze von Arm und Reich noch viel augenscheinlicher. In Mombasa haben wir abseits der Touristenwege fast nur Armut gesehen, in Nairobi entstehen aber direkt neben Armenvierteln und Blechhüttenslums moderne Villen für die Oberschicht und es gibt dort Supermärkte, in denen man zwar fast alles kaufen kann, was man auch bei uns findet (Red Bull sowieso, aber auch Milka, Nivea, Ritter Sport, Always Ultra, Palmolive, etc.), die Preise sind aber auch zumindest gleich wie bei uns, teilweise sogar höher, sodass man sich schon fragt, wer dort einkaufen kann. Kenia ist aber überhaupt sehr teuer, insbesondere Taxis und Hotels (und die damit verbundene Sicherheit) sowie Eintrittspreise in die Game Parks (kommt die Kohle wirklich nur dem Tierschutz und den lokalen Bewohnern zugute?) und die diversen Freizeitaktivitäten kosten horrende Summen, dafür ist die Qualität, die man bekommt, oft jenseits von Gut und Böse. Wenigstens kostet ein Bier nur zwischen 1 und 1,8 EUR.
Der Unterschied zwischen Arm und Reich wird auch durch sehr viel Stacheldraht und verriegelte und bewachte Tore augenscheinlich, vor jeder der zahlreichen Banken gibt es nicht nur lange Warteschlangen sondern auch den einen oder anderen mit Maschinengewehr bewaffneten Polizisten. Wirklich sicher fühlt man sich trotzdem nicht, wenn man auf der Straße spazieren geht. Nairobi heißt ja auch nicht umsonst „Nairobbery“. Verstärktes Polizeiaufgebot war auch vor dem Verfassungsreferendum zu merken. Wir haben Kenia zwar zufällig schon am Vormittag des Referendumtages verlassen, soweit wir aber danach gelesen haben, dürfte zum Glück alles ruhig abgelaufen sein.
In Nairobi wollten wir eigentlich eine Slums Tour machen, die dann aber abgesagt wurde, weil es am Tag davor durch mit Methanol gepanschten Alk mindestens 17 Tote gab und die Polizei die Situation noch nicht im Griff hatte. Stattdessen haben wir dann ein Waisenhaus besucht, in dem 53 Kinder im Alter zwischen 3 und 17 Jahren auf engstem Raum und unter kaum vorstellbaren Verhältnissen aufgezogen und unterrichtet werden. Die Kinder sind trotzdem unglaublich lebensfroh und gehen auch untereinander sehr herzlich miteinander um und teilen das Wenige, das sie haben, untereinander und mit den Nachbarskindern, die zwar Eltern haben, denen es sonst aber um nichts Besser geht, ohne irgendwelche Vorbehalte und Besitzansprüche. Das Watoto Wema Centre ist auch auf Facebook zu finden, Spenden egal welcher Art sind dort bestimmt gut aufgehoben.
Kontrastprogramm dazu war dann ein Abendessen im berühmten Carnivore Restaurant, in dem riesige Fleischspieße auf offenem Feuer gegrillt werden und in dem die Kellner einen solange diverse köstliche Fleischsorten bringen bis man nicht mehr kann…leider ist das Essen von vielen Wildspezialitäten in Kenia verboten worden, sodass es nur ein bisschen Strauß und Kroko gab…aber wir werden ja noch ein paar Wochen in Afrika sein…
In Nairobi haben wir dann auch unsere Campingtour gestartet. Mit unserem gelben Truck und gemeinsam mit bisher 12 (es wird unterwegs ein Kommen und Gehen sein, außer uns machen nur drei andere das volle Programm bis Kapstadt) anderen Touris aus England, Australien, Neuseeland und Frankreich (keine Deutsch(sprachig)en!) sind wir nach gefühlten 17 Millionen Tierfotos mittlerweile bis nach Jinja, Uganda, an den Ursprung des Nils gekommen, der hier noch deutlich sauberer als in Ägypten ist.
Höhepunkte in Kenia waren der unvorstellbare Tierreichtum v.a. an Zebras und Gnus in der Masai Mara nach der Migration aus der Serengetti, sowie die ersten Begegnungen mit freilebenden Löwen, Nilpferden, Giraffen, Büffeln, zig Antilopenarten, Hyänen, nervigen Pavianen, die unsere Zelte über den Haufen gedreht haben, etc. u.a. am Lake Naivasha und Lake Nakuru. Außerdem war sicher beeindruckend und zugleich bedrückend zu erleben, unter welchen Bedingungen viele Menschen hier leben müssen und wie nah sich reich und arm hier sind wobei uns jene Menschen umso freundlicher und liebenswerter begegneten je weniger sie hatten. Als Tourist kommt man sich bei den Preisen natürlich oft verarscht vor (und wird es wahrscheinlich auch oft genug), aber auch das normale Leben der Einheimischen ist einfach überraschend teuer wenn man es z.B. mit asiatischen Ländern vergleicht.
Das Camperleben läuft bisher auch sehr gut, die Gruppe performt, das selbstgekochte Essen schmeckt und das (fast) täglich Auf- und Abbauen vom Zelt geht auch schon recht flott. Die Nächte werden zwar hin und wieder von gefährlich nah tönenden Elefanten oder Nilpferden gestört, seit wir uns aber auch noch einen Polster geleistet haben geht uns eigentlich nichts mehr ab und wir schlafen sehr gut. An Christians Geburtstag haben wir uns dann aber doch ein up-grade in ein Bett gegönnt, immerhin stehen uns bis Kapstadt ja noch rund 60 Zeltnächte bevor. Da es auf den Campingplätzen keine Waschmaschinen gibt und die Wäschefrauen mit der Wäsche recht grob umgehen, waschen wir(!) unsere Sachen selbst, v.a. Sivi hat das mit der Handwäsche schon ganz gut im Griff…
Seit Mittwoch sind wir in Uganda, alles wirkt hier irgendwie entspannter und sauberer als in Kenia, da v.a. nicht soviel Müll herumliegt. Ansonsten wird genauso an jeder Ecke mit mehr oder weniger tauglichen Mitteln versucht irgendetwas zu bauen und ein Mobilfunk Anbieter nach dem anderen versucht seine Karten an den Mann zu bekommen.
Wir haben vor der Reise ja nicht allzuviel von Uganda gewußt, umso mehr sind wir daher überrascht, dass sich Uganda und seine Menschen so positiv präsentieren. Es erscheint uns lebenswerter als Kenia, was vielleicht aber auch an der üppigen Vegetation rund um den Victoriasee liegt, die teilweise an daheim erinnert, halt mit Palmen, Zuckerrohr, etc… auch das Bier in Uganda ist noch ein bißchen billiger als in Kenia und kostet fast immer unter einem Euro. Das Schwimmen im geschätzte 25 Grad warmen Nil und die Grade 5 Rafting Tour waren auch absolute Highlights und bald werden wir dann auch noch bei den Berggorillas sein – Uganda hat wirklich was zu bieten.
Wir haben jedenfalls den Eindruck, dass sich die Menschen sowohl hier wie auch in Kenia eine friedliche und positive Zukunft herbeisehnen und auch bereit sind etwas für ihr persönliches Weiterkommen zu investieren insbesondere auch das Schulwesen dürfte recht gut funktionieren und wird hoffentlich dazu beitragen. Sollte es also friedlich bleiben, könnte hier wirklich was weitergehen.
In der Galerie gibt’s viele neue Fotos, wenn man draufklickt werden sie sogar größer….
Kategorien : Afrika